Manche Häuser riechen auch nach Jahren noch chemisch, weil bestimmte Baumaterialien flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC, über einen sehr langen Zeitraum an die Raumluft abgeben. Dieser Prozess, Ausgasung genannt, endet nicht nach wenigen Wochen. Er kann sich je nach Material und Raumklima über Monate oder sogar Jahrzehnte hinziehen. In diesem Artikel erklären wir, welche Materialien dahinterstecken, was das für Ihre Gesundheit bedeutet und was Sie dagegen tun können.
Welche Baumaterialien sind für den chemischen Geruch verantwortlich?
Der chemische Geruch in einem Haus entsteht vor allem durch Spanplatten, Kunststofffolien, Styropor, lösemittelhaltige Farben und Lacke sowie Kleber und Abdichtungsmassen. All diese Materialien geben flüchtige organische Verbindungen an die Raumluft ab, die als charakteristischer Neuhaus-Geruch wahrgenommen werden.
Spanplatten zählen zu den häufigsten Verursachern. Sie werden mit Leimen gebunden, die Formaldehyd enthalten. Formaldehyd ist eine farblose, stechend riechende Verbindung, die kontinuierlich aus dem Material herausgelöst wird. Im Haus finden sich Spanplatten nicht nur in Möbeln, sondern auch in Wandverkleidungen, Bodenaufbauten und Dachelementen.
Lösemittelhaltige Farben und Lacke sind ein weiterer Faktor. Frisch gestrichene Räume riechen intensiv, aber auch nach dem Trocknen können Restlösemittel noch über Wochen ausdünsten. Ähnliches gilt für Bodenkleber, Fugenmassen und Dichtstoffe auf Kunstharzbasis.
Kunststofffolien, die als Dampfsperren eingesetzt werden, können ebenfalls Weichmacher und andere chemische Verbindungen abgeben, insbesondere wenn sie minderwertig verarbeitet oder beschädigt sind. Styropordämmung steht ebenfalls im Verdacht, bestimmte Verbindungen freizusetzen, vor allem wenn Flammschutzmittel eingearbeitet wurden.
Was sind flüchtige organische Verbindungen und warum bleiben sie so lange?
Flüchtige organische Verbindungen, auf Englisch Volatile Organic Compounds oder VOC, sind chemische Verbindungen, die bei Raumtemperatur leicht verdampfen und so in die Atemluft gelangen. Sie entstammen einer Vielzahl von Bau- und Einrichtungsmaterialien und sind der Hauptgrund, warum ein Neuhaus riecht.
Der Grund für ihre Langlebigkeit liegt in der Materialdichte und dem Ausgasungsverhalten. Manche Verbindungen sind tief im Material eingebunden und lösen sich nur langsam. Formaldehyd aus Spanplatten beispielsweise wird durch Feuchtigkeit und Wärme beschleunigt freigesetzt, aber der Grundprozess hört nicht einfach auf. Das Material gibt so lange weiter ab, wie die chemische Verbindung im Inneren vorhanden ist.
Hinzu kommt, dass VOC-Emissionen von der Raumtemperatur abhängen. Je wärmer ein Raum, desto schneller und intensiver die Ausgasung. Im Sommer oder in beheizten Räumen steigt die Konzentration deshalb messbar an. Bei schlechter Belüftung sammeln sich die Verbindungen in der Raumluft an, weil kein Austausch stattfindet.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Menschen durchschnittlich 80 bis 90 Prozent ihres Tages in Innenräumen verbringen. Die Qualität der Innenraumluft hat damit einen direkten Einfluss auf Wohlbefinden, Konzentration und Schlafqualität.
Ist der chemische Geruch im Haus gesundheitsschädlich?
Ob ein chemischer Geruch im Haus gesundheitsschädlich ist, hängt von der Art der Verbindung, ihrer Konzentration und der Dauer der Exposition ab. Kurzfristiger Kontakt mit geringen Mengen ist meist unproblematisch. Dauerhaft erhöhte VOC-Konzentrationen in der Raumluft können jedoch Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Schlafprobleme und Konzentrationsschwäche verursachen.
Formaldehyd gilt dabei als besonders gut untersucht. Es reizt Augen, Nase und Atemwege schon bei niedrigen Konzentrationen. Empfindliche Personen, Kinder, ältere Menschen und Personen mit Atemwegserkrankungen reagieren oft früher und stärker auf erhöhte Schadstoffkonzentrationen in der Raumluft.
Wichtig ist: Der Geruch allein ist kein zuverlässiger Indikator für Gefährlichkeit. Manche schädlichen Verbindungen sind geruchlos, andere riechen intensiv, ohne in gefährlichen Konzentrationen vorzuliegen. Wer sich unsicher fühlt, kann die Raumluft professionell messen lassen. Das Umweltbundesamt bietet dazu Orientierungswerte und Informationen an.
Grundsätzlich gilt: Eine bewusste Materialwahl beim Bau oder bei der Sanierung trägt dazu bei, die Belastung der Innenraumluft von Anfang an gering zu halten. Das ist der wirksamste Ansatz, weil er das Problem an der Quelle löst, anstatt es nachträglich zu bekämpfen. Mehr dazu, wie ein gesundes Raumklima entsteht, lesen Sie auf unserer Seite zum Thema GESUND WOHNEN.
Warum riechen ältere Häuser manchmal noch nach Jahrzehnten chemisch?
Ältere Häuser riechen nach Jahrzehnten noch chemisch, weil bestimmte Baumaterialien aus vergangenen Jahrzehnten besonders emissionsreich waren und weil die Ausgasung bei dichter verbauten oder schlecht belüfteten Materialien extrem langsam verläuft. Manche Verbindungen aus Klebern, Bodenbelägen oder Wandverkleidungen der 1970er und 1980er Jahre sind bis heute nachweisbar.
In dieser Zeit wurden großzügig lösemittelhaltige Kleber für Teppiche und PVC-Böden eingesetzt. Diese Kleber enthalten Verbindungen, die sich über Jahrzehnte hinweg nur sehr langsam zersetzen. Selbst wenn der Bodenbelag längst erneuert wurde, kann der alte Kleber darunter noch immer ausgasen.
Auch Holzschutzmittel spielen eine Rolle. Bis in die 1990er Jahre wurden Holzschutzmittel eingesetzt, die heute verboten sind, darunter PCP (Pentachlorphenol) und Lindan. Diese Verbindungen sind extrem langlebig und können sich in Holzbalken, Dachstühlen und Wandkonstruktionen über sehr lange Zeiträume halten.
Hinzu kommt die Bauweise: Ältere Häuser wurden oft luftdichter verputzt und weniger gut belüftet geplant. Schadstoffe, die sich in der Raumluft ansammeln, werden nicht ausreichend abgeführt. Das verstärkt den wahrnehmbaren Geruch und die tatsächliche Belastung erheblich.
Welche Materialien verursachen keinen chemischen Geruch?
Natürliche Baumaterialien wie Holz, Holzfaserdämmung, Zellulosedämmung und Gipsfaserplatten verursachen keinen chemischen Geruch, weil sie keine synthetischen Bindemittel oder Lösemittel enthalten. Sie geben keine schädlichen flüchtigen organischen Verbindungen an die Raumluft ab und tragen stattdessen zu einem angenehmen Raumklima bei.
Holz ist einer der ältesten und bestuntersuchten Baustoffe. Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, puffert also Schwankungen der relativen Luftfeuchtigkeit. Ein Raumklima zwischen 40 und 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit wird als angenehm empfunden und unterstützt die Gesundheit der Atemwege. Holz trägt aktiv dazu bei, diesen Bereich zu halten.
Holzfaserdämmung aus natürlichen Rohstoffen, wie sie beispielsweise von Herstellern wie STEICO produziert wird, ist diffusionsoffen. Das bedeutet, Feuchtigkeit kann durch die Wand hindurch transportiert werden, ohne sich zu stauen. Kein Schwitzwasser, kein Schimmelrisiko, kein chemischer Geruch.
Gipsfaserplatten funktionieren ähnlich wie Lehmputz: Sie nehmen überschüssige Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und geben sie bei trockener Luft wieder ab. Gleichzeitig können sie bestimmte Schadstoffe binden und neutralisieren. Das ist ein echter Beitrag zur Luftqualität im Haus.
Schadstoffarme Farben und Putze auf mineralischer Basis oder Naturfarbbasis runden das Bild ab. Sie trocknen ohne Lösemittelausdünstungen und belasten die Raumluft nicht.
Wie kann man chemische Gerüche im Haus dauerhaft loswerden?
Chemische Gerüche im Haus dauerhaft zu beseitigen, erfordert mehr als regelmäßiges Lüften. Der wirksamste Weg ist, die emittierenden Materialien zu identifizieren und zu ersetzen. Ergänzend helfen konsequentes Stoßlüften, kontrollierte Wohnraumlüftung und eine gezielte Verbesserung der Raumluftqualität durch emissionsarme Materialien.
Zunächst sollten Sie die Quellen eingrenzen. Riecht es vor allem in einem bestimmten Raum, in der Nähe von Einbauschränken oder nach dem Heizen? Das gibt Hinweise auf den Verursacher. Eine professionelle Raumluftmessung schafft Klarheit und zeigt, welche Verbindungen in welcher Konzentration vorliegen.
Beim Lüften gilt: Stoßlüften ist effektiver als dauerhaft gekippte Fenster. Mehrmals täglich für fünf bis zehn Minuten alle Fenster weit zu öffnen, tauscht die Raumluft vollständig aus, ohne die Wände auszukühlen. In Neubauten mit moderner Lüftungsanlage übernimmt die kontrollierte Wohnraumlüftung diese Aufgabe automatisch und energieeffizient.
Wenn Sie sanieren oder renovieren, ist der Materialwechsel die nachhaltigste Lösung. Ersetzen Sie emissionsreiche Spanplatten durch schadstoffarme Alternativen. Verwenden Sie Farben und Lacke auf Wasserbasis. Wählen Sie Bodenbeläge ohne lösemittelhaltige Kleber. Jede Entscheidung für ein natürliches Material ist eine Entscheidung für bessere Luft in Ihrem Zuhause.
Bei einer umfassenden Sanierung lohnt es sich, das gesamte Gebäude bauphysikalisch zu betrachten. Diffusionsoffene Wandaufbauten, eine gute Dämmung aus Holzfaser oder Zellulose und eine sorgfältig geplante Lüftung arbeiten zusammen und schaffen dauerhaft ein gesundes Raumklima. Informationen dazu finden Sie auch auf unserer Seite zur seriellen Sanierung.
So helfen wir Ihnen bei chemischen Gerüchen und Schadstoffen im Haus
Wir bei OTT HAUS bauen seit über 30 Jahren Häuser, in denen Sie tief durchatmen können. Unser GESUND WOHNEN Konzept ist keine Marketingformel, sondern eine Haltung, die sich in jeder einzelnen Materialentscheidung zeigt. Deshalb verzichten wir konsequent auf alle Materialien, die Ihre Raumluft belasten könnten:
- Keine Spanplatten mit Formaldehyd in unseren Wandaufbauten
- Kein Styropor, das Schwitzwasser begünstigt und Schadstoffe einschließt
- Keine Kunststofffolien als Dampfsperren, stattdessen atmungsaktive, diffusionsoffene Konstruktionen
- Gipsfaserplatten statt Gipskarton, die Feuchtigkeit puffern und Schadstoffe binden können
- Holzfaser- und Zellulosedämmung aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen
- Emissionsarme Oberflächen, schadstoffarme Farben und mineralische Putze
Ob Sie ein neues Zuhause planen oder Ihr bestehendes Haus sanieren möchten: Wir stehen Ihnen als verlässlicher Baupartner zur Seite. Schauen Sie sich unsere Hausideen und Konzepthäuser an oder sprechen Sie uns direkt an. Wir erklären Ihnen gerne, welche Materialien wir warum einsetzen und was das für Ihr Wohlbefinden bedeutet. Auf uns können Sie sich verlassen.
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