Weichmacher und Lösungsmittel gelangen in die Wohnraumluft, weil viele Baumaterialien, Möbel und Bodenbeläge diese Stoffe kontinuierlich an die Umgebungsluft abgeben. Dieser Vorgang heißt Ausgasung: Chemische Verbindungen, die bei der Herstellung eingesetzt werden, verdunsten langsam bei Raumtemperatur und reichern sich in schlecht belüfteten Räumen an. Da Menschen rund 80 bis 90 Prozent ihres Tages in Innenräumen verbringen, hat die Qualität der Raumluft einen direkten Einfluss auf Wohlbefinden, Schlaf und Konzentration. Die folgenden Abschnitte erklären, welche Materialien diese Stoffe freisetzen, wie sie in die Atemluft gelangen und was Sie dagegen tun können.
Welche Materialien setzen Weichmacher und Lösungsmittel frei?
Weichmacher und Lösungsmittel werden vor allem von synthetischen Baumaterialien, Klebstoffen, Lacken, Farben und Kunststoffprodukten freigesetzt. Besonders häufig betroffen sind PVC-Bodenbeläge, Spanplatten, Teppichkleber, Dispersionsfarben, Fugendichtmassen und Kunststofffolien, die als Dampfsperren eingesetzt werden. Diese Materialien enthalten flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC, die bei Raumtemperatur in die Luft übergehen.
Konkret lassen sich folgende Materialgruppen unterscheiden:
- Spanplatten und Holzwerkstoffe mit Formaldehydharz: Werden in Möbeln, Küchen und Innenverkleidungen verbaut. Das gebundene Formaldehyd entweicht über Jahre hinweg langsam in die Raumluft.
- PVC-Bodenbeläge und Vinylböden: Enthalten Weichmacher wie Phthalate, die dem Material Flexibilität verleihen. Diese Verbindungen gehen mit der Zeit in die Luft und in Hausstaub über.
- Lösungsmittelhaltige Farben, Lacke und Klebstoffe: Geben während und nach dem Auftragen organische Lösungsmittel ab. Auch nach dem Trocknen können Restmengen noch Monate lang ausgasen.
- Kunststofffolien als Dampfsperren: Verhindern zwar Feuchtedurchgang, können aber selbst Weichmacher und andere Additive freisetzen, vor allem wenn sie sich im Laufe der Zeit zersetzen.
- Fugendichtmassen und Silikone: Enthalten oft Lösungsmittel als Trägersubstanz, die beim Aushärten verdunsten.
Die Belastung durch Schadstoffe in Baumaterialien ist kein Randphänomen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Innenraumluft in manchen Gebäuden stärker mit flüchtigen organischen Verbindungen belastet sein kann als die Außenluft. Die Wahl der Materialien entscheidet also maßgeblich darüber, welche Luft Sie täglich einatmen.
Wie gelangen diese Stoffe aus Materialien in die Atemluft?
Weichmacher und Lösungsmittel gelangen durch Ausgasung in die Atemluft: Die chemischen Verbindungen sind bei Raumtemperatur flüchtig, das heißt, sie wechseln vom festen oder flüssigen Zustand in die Gasphase über. Dieser Prozess findet kontinuierlich statt und wird durch Wärme, niedrige Luftfeuchtigkeit und mangelnde Belüftung beschleunigt.
Der genaue Mechanismus lässt sich in wenigen Schritten erklären. Zunächst sind die Stoffe chemisch oder physikalisch in das Material eingebunden, zum Beispiel als Weichmacher in PVC oder als Lösungsmittel in einer Farbe. Mit der Zeit löst sich die Bindung, und die Moleküle wandern an die Oberfläche des Materials. Von dort verdampfen sie in die umgebende Raumluft. Je größer die emittierende Oberfläche ist, desto mehr Stoffe gelangen in die Luft.
Wärme spielt dabei eine entscheidende Rolle. Bei höheren Temperaturen, etwa im Sommer oder in beheizten Räumen, steigt die Ausgasungsrate deutlich an. Auch eine zu geringe Luftfeuchtigkeit kann die Freisetzung bestimmter Verbindungen begünstigen. Umgekehrt verlangsamt gute Belüftung die Anreicherung von Schadstoffen in der Raumluft, weil frische Außenluft die belastete Innenluft verdünnt und abtransportiert. Wer auf gesundes Wohnen Wert legt, sollte daher sowohl die Materialwahl als auch das Lüftungsverhalten im Blick haben.
Warum sind Neubauten besonders stark betroffen?
Neubauten sind in den ersten Monaten und Jahren nach der Fertigstellung besonders stark von Schadstoffemissionen betroffen, weil alle verbauten Materialien gleichzeitig ausgasen. Frisch verlegte Böden, neue Farben, Klebstoffe und Dichtmassen emittieren kurz nach dem Auftragen die höchsten Mengen an flüchtigen organischen Verbindungen. Diese initiale Ausgasungsphase kann je nach Material mehrere Monate bis zu einigen Jahren andauern.
Hinzu kommt, dass Neubauten häufig sehr luftdicht gebaut werden, um Energieverluste zu minimieren. Das ist bauphysikalisch sinnvoll, bedeutet aber auch: Ohne ein kontrolliertes Lüftungssystem können sich Schadstoffe in der Innenraumluft anreichern, weil kaum Luftaustausch mit der Außenluft stattfindet. In einem frisch bezogenen Haus ohne mechanische Lüftung kann die Konzentration von VOC in der Raumluft deshalb vorübergehend deutlich erhöht sein.
Ein weiterer Faktor ist die Menge der eingesetzten Materialien. Im Neubau werden Böden, Wände, Decken, Küche und Bäder in kurzer Zeit fertiggestellt. Alle diese Oberflächen tragen gleichzeitig zur Gesamtbelastung der Innenraumluft bei. Wer in dieser Phase intensiv lüftet und auf emissionsarme Materialien geachtet hat, kann die Belastung deutlich reduzieren.
Welche Gesundheitsfolgen haben Weichmacher und Lösungsmittel in der Raumluft?
Weichmacher und Lösungsmittel in der Raumluft können kurzfristig Kopfschmerzen, Reizungen der Schleimhäute, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme verursachen. Bei dauerhafter Exposition gegenüber erhöhten Konzentrationen bestimmter Stoffe wie Formaldehyd oder Phthalaten diskutieren Wissenschaftler mögliche Auswirkungen auf das Hormonsystem und die Atemwege. Die Innenraumluftgesundheit ist damit ein ernstzunehmendes Thema.
Die Wirkung hängt stark von der Art des Stoffes, der Konzentration und der Dauer der Exposition ab. Besonders sensible Gruppen wie Kinder, ältere Menschen oder Personen mit Atemwegserkrankungen können empfindlicher auf erhöhte VOC-Konzentrationen reagieren. Kinder sind dabei besonders gefährdet, weil sie verhältnismäßig mehr Luft einatmen als Erwachsene und ihr Immunsystem und ihre Organe noch in der Entwicklung sind.
Zu den am häufigsten diskutierten gesundheitlichen Auswirkungen zählen:
- Reizung von Augen, Nase und Rachen
- Kopfschmerzen und Schwindel bei akuter Exposition
- Beeinträchtigung der Schlafqualität in belasteten Schlafräumen
- Verstärkung von Allergien und Asthma
- Bei bestimmten Stoffen: hormonähnliche Wirkungen, die das Endokrinium beeinflussen können
Es ist wichtig, diese Risiken sachlich einzuordnen: Nicht jedes Haus mit handelsüblichen Materialien macht krank. Aber wer die Schadstoffbelastung in der Raumluft von Anfang an so gering wie möglich hält, schafft eine Wohnumgebung, in der sich die ganze Familie dauerhaft wohlfühlt.
Wie lässt sich die Schadstoffbelastung in Wohnräumen messen?
Die Schadstoffbelastung in Wohnräumen lässt sich durch Raumluftmessungen ermitteln, die entweder mit einfachen Passivsammlern aus dem Fachhandel oder durch akkreditierte Labore und Sachverständige durchgeführt werden. Professionelle Messungen liefern dabei zuverlässigere und differenziertere Ergebnisse als einfache Selbsttests.
Passivsammler und Schnelltests
Passivsammler sind kleine Geräte, die über einen definierten Zeitraum in einem Raum aufgestellt werden und Schadstoffe aus der Luft aufnehmen. Anschließend werden sie an ein Labor geschickt, das die gesammelten Stoffe analysiert. Diese Methode ist verhältnismäßig günstig und eignet sich gut für einen ersten Überblick über die VOC-Belastung in der Wohnung.
Professionelle Raumluftanalyse
Für eine genaue Analyse empfiehlt sich die Beauftragung eines zertifizierten Sachverständigen oder eines Umweltlabors. Diese führen Messungen nach standardisierten Verfahren durch und können einzelne Stoffe wie Formaldehyd, Benzol oder spezifische Phthalate identifizieren und quantifizieren. Das Ergebnis lässt sich dann mit den Richtwerten des Umweltbundesamtes vergleichen, um einzuschätzen, ob Handlungsbedarf besteht.
Unabhängig von der Messmethode gilt: Eine Messung zeigt den Ist-Zustand, löst das Problem aber nicht. Entscheidend ist, im Anschluss die Ursachen zu beseitigen, also belastende Materialien zu ersetzen oder die Belüftung zu verbessern.
Welche Baumaterialien vermeiden Weichmacher und Lösungsmittel von vornherein?
Natürliche und emissionsarme Baumaterialien wie Holz, Holzfaserdämmung, Zellulosedämmung und Gipsfaserplatten geben keine oder nur sehr geringe Mengen an Weichmachern und Lösungsmitteln ab. Sie sind von Natur aus frei von synthetischen Additiven und tragen aktiv zu einer gesunden Innenraumluft bei.
Im Einzelnen zeigen folgende Materialien besonders gute Eigenschaften:
- Holz: Als natürlicher Baustoff enthält Holz keine synthetischen Weichmacher. Es puffert Feuchtigkeit, reguliert das Raumklima und gibt keine schädlichen flüchtigen organischen Verbindungen ab, sofern es nicht mit lösungsmittelhaltigen Farben oder Lacken behandelt wurde.
- Holzfaserdämmung: Besteht überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen und unterstützt einen diffusionsoffenen Wandaufbau. Holzfaserdämmstoffe sind frei von Styropor und synthetischen Bindemitteln und tragen zu einem angenehmen Raumklima bei.
- Zellulosedämmung: Wird aus recyceltem Papier hergestellt und enthält keine Weichmacher. Sie puffert Feuchtigkeit, bietet guten Hitzeschutz und ist eine ressourcenschonende Alternative zu synthetischen Dämmstoffen.
- Gipsfaserplatten: Im Unterschied zu Spanplatten enthalten sie kein Formaldehyd. Gipsfaserplatten können ähnlich wie Lehmputz Feuchtigkeit aufnehmen und Schadstoffe neutralisieren, was die Innenraumluft spürbar verbessert.
- Schadstoffarme Farben und Putze: Auf Wasserbasis formulierte Farben und mineralische Putze geben deutlich weniger Lösungsmittel ab als lösungsmittelhaltige Produkte.
Die Materialwahl ist die wirksamste Maßnahme gegen Schadstoffe in der Raumluft, weil sie das Problem an der Wurzel anpackt. Wer beim Neubau oder bei der Sanierung konsequent auf natürliche Baustoffe setzt, muss sich später keine Gedanken über Ausgasungen machen.
So unterstützt OTT HAUS Sie beim schadstoffarmen Bauen
Wir bei OTT HAUS haben uns seit über 30 Jahren dem Grundsatz verschrieben: Ein Zuhause soll ein Ort sein, an dem Sie tief durchatmen können, buchstäblich. Unser GESUND WOHNEN Konzept schließt deshalb von Anfang an Materialien aus, die Weichmacher oder Lösungsmittel in die Raumluft abgeben. Das ist keine Marketingaussage, sondern eine Entscheidung, die sich in jedem einzelnen Bauteil widerspiegelt.
Konkret bedeutet das für Ihr Haus:
- Keine Spanplatten mit Formaldehydharz im gesamten Wandaufbau
- Keine Plastikfolien als Dampfsperren, stattdessen atmungsaktive, diffusionsoffene Konstruktionen
- Kein Styropor, das synthetische Additive enthalten kann
- Holzfaser- und Zellulosedämmung aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen
- Gipsfaserplatten im Innenausbau, die aktiv zur Schadstoffneutralisation beitragen
- Schadstoffarme Farben und Putze für alle Oberflächen
- Moderne Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung für kontinuierlich frische Luft
Alle unsere Bauteile werden mit dem GDF-Siegel der Gütegemeinschaft Deutscher Fertigbau geprüft, damit kein Bauteil unsere Produktionshalle in Wilhelmsdorf verlässt, das nicht unseren eigenen hohen Standards entspricht. Ob Sie ein Konzepthaus oder ein individuell geplantes Architektenhaus wünschen: Wir kümmern uns darum, dass Ihr Zuhause von innen so gesund ist, wie es von außen schön aussieht. Sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gern, ehrlich und ohne Verkaufsdruck.
Ähnliche Artikel
- Warum riechen manche Häuser auch nach Jahren noch chemisch und was steckt dahinter?
- Warum können neue Möbel und Bodenbeläge die Raumluft monatelang belasten?
- Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Haus wie ein lebender Organismus atmen kann?
- Warum setzen immer mehr Bauherren in Oberschwaben auf chemiefreie Baustoffe?
- Warum reicht Fensterlüften allein oft nicht aus, um die CO2-Werte im Haus zu senken?